Stalking - endlich eine Straftat

Täter riskieren jahrelange Freiheitsstrafen

Die erste Hürde war bereits genommen: Ende des Jahres 2006 hat der Deutsche Bundestag das Gesetz gegen Stalking – das beharrliche Nachstellen – beschlossen. Am 16.02.07 hat auch der Bundesrat dem Gesetz zugestimmt. Seit dem 01.04.07 gilt das Gesetz überall in Deutschland.

Mit dem neuen Straftatbestand Stalking (Nachstellen) im § 238 des Strafgesetzbuches (StGB) wurde endlich einer von vielen Opfern lange erwarteten und vor allem vom WEISSEN RING geforderten gesetzlichen Regelung entsprochen.

Wer einem Menschen unbefugt nachstellt, indem er beharrlich seine räumliche Nähe aufsucht, Kontakt herzustellen versucht, ob mit Telekommunikationsmitteln oder auch über Dritte, Bestellungen von Waren oder Dienstleistungen aufgibt, ihn bedroht oder anderweitig in seiner Lebensgestaltung schwerwiegend beeinträchtigt, muss mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren rechnen.

Geht das Stalking so weit, dass die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitschädigung eintritt, erhöht sich das Strafmass auf bis zu 5 Jahre.

Beim Tod des Opfers oder einer nahe stehenden Person können bis zu 10 Jahre verhängt werden.

In die Strafprozessordnung (StPO) wird auch eine spezielle Form der Untersuchungshaft aufgenommen. Ist ein Beschuldigter wiederholt des Stalkings verdächtigt, kann er allein schon deshalb in Untersuchungshaft genommen werden.

Insbesondere der WEISSE RING begrüßt, dass die Stalking-Opfer damit die Möglichkeit erhalten, bereits zu einem frühen Zeitpunkt effektiveren Schutz durch die Mittel des Strafrechts zu bekommen, denn bisher war das Nachstellen nicht in allen seinen Facetten strafrechtlich erfasst.

Die Formen des Stalking sind vielfältig. Viele Opfer werden von ihren Verfolgern rund um die Uhr mit Telefonterror überzogen. In anderen Fällen bombardiert der Täter das Opfer ständig mit eMails oder bestellt bei Versandhäusern Waren in dessen Namen. 80 % der Verfolgten sind weiblich und es sind bei weitem nicht nur Prominente. Bei den Tätern handelt es sich oftmals um verschmähte Liebhaber, die aus einer Mischung aus Fanatismus und Eifersucht handeln. Anfangs war man der Auffassung, dass das erst 2002 erlassene Gewaltschutzgesetz zum Schutz vor Stalking ausrei-che, doch das erwies sich bereits kurz Zeit nach der Einführung als Irrtum. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die LKA waren übereinstimmend der Ansicht, Stalking werde in Deutschland nicht ausreichend oder zu spät verfolgt. Also wurde das Gesetz gegen Stalking geschaffen, das seit dem 01.04.07 überall in Deutschland gilt.

Dietrich Brandhorst
[Quelle: djjv.de]