Ja, aber…

Auch dieses Jahr lud der TSV Neustadt zum Landestechniklehrgang Ju-Jutsu meets Modern Arnis ein. Referenten waren Philipp Wolf, 5. Dan Ju-Jutsu, 5. Dan Modern Arnis (u.A.) und seine Frau Julia Wolf, 3. Dan Modern Arnis, 1. Kyu Ju-Jutsu (u.A.). Teilnehmer aus den unterschiedlichen Stilarten wie Ju-Jutsu, Jiu-Jitsu, BJJ, Modern-Arnis, Doce Pares, JKD und Balintawak waren angereist zu diesem tollen Trainingstag und um Erfahrungen auszutauschen.

Das erste Thema war Entwaffnung mit und ohne Waffe(n) sowie Gegen- und Weiterführungstechniken/-konzepte. Was ist das Wichtigste für eine Entwaffnungstechnik? Entscheiden sind vor allem die Kontrolle der Waffe, die Distanz sowie die Positionierung. Begonnen wurde mit lockeren Vorübungen, um ein Gefühl für Distanz und Angriff zu bekommen. Ziel war es an den Angreifer zu kommen, um dann den Arm mit der Waffe zu kontrollieren. Für spätere Anwendungsformen sollte auch gleich darauf geachtet werden, dass der Angreifer noch eine zweite Hand. „Jemand der euch verhauen will und bereit ist dafür eine Waffe in die Hand zu nehmen, wird auch bereit sein zu kämpfen“, sagte Philipp Wolf. Daher sollte nicht nur die Kontrolle des waffenführenden Arms das Ziel sein, sondern auch die eigene Positionieren, damit man nicht zum Opfer wird. Folgend wurden verschiedene Entwaffnungstechniken für 3 Distanzgruppen geübt: nahe Distanz, mittlerer und wenn nur noch der Stock gegriffen wurde. Zusätzlich ergänzten Julia und Philipp die Grundprinzipien des technischen Trainings mit wichtigen Hinweisen für den Freikampf, wenn der Angreifer weiteragiert mit Händen und Füßen. Konterprinzipien zur Entwaffnung sind immer die gleichen, egal was der andere macht: Wenn die Distanz, die Positionierung oder Kontrolle nicht mehr stimmt, kann die Technik verhindert werden. Dies gilt nicht nur für Entwaffnungen, sondern für alle Techniken, ob das Schläge, Tritte, Würfe oder Hebel sind. Jede Technik, die angewendet wird, braucht eine optimale Distanz, Positionierung und Kontrolle. In den folgenden Übungen sollten die Teilnehmer spüren, wie einfach es ist, Techniken zu „zerstören“ mit einem kleinen Schritt. Auch zu den anderen beiden Konterprinzipien zeigten Philipp und Julia verschiedene Möglichkeiten, die ausprobiert wurden. Wichtig ist auch das Timing: Nicht jedes Prinzip funktioniert auch in den verschiedenen Zeitphasen der Technikausführung. Eine Kontertechnik kann erfolgen vor der Kontaktaufnahme, im Moment der Kontaktaufnahme, während des leichten Ansatzes der Entwaffnung, kurz vor der Durchsetzung der Technik oder nach der Entwaffnung. Zum Abschluss des ersten Teils wurde spielerisch auch der Freikampf als „Spiel - Kampf um den Stock“ in Anwendung von Entwaffnung und Kontern – Gegenkonter „gespielt“.

Die zweite Thematik des Tages war die Weiterführung nach abgewehrter Atemi bzw. Trapping. Ein paar Varianten und Richtungen, wie damit gearbeitet werden kann wurde hier demonstriert. Bei der Übersetzung von Trapping ergeben sich zwei Bedeutungen: Festlegen/Gefangenlegen bzw. Fallen stellen, was zwei komplett unterschiedlichen Intensionen sind. Beim Trapping im Sinne einer Falle stellen, wird der Gegner provoziert etwas zu tun, was anschließend zum eigenen Vorteil ist. In der anderen Bedeutung kann es alles sein, wo die Hände festgehalten/gelegt sind, um dann eine Aktion durchzuführen. Im Arnis werden zwei unterschiedliche Arten des Trapping unterschieden: Einfache und Komplexe. Mit den vier verschiedenen Ausrichtungen wurde sich anschließend auseinander gesetzt, unter anderen in Drills. „Keine Technik ist unbesiegbar, wenn es eine gäbe, würde man nur diese lernen und man müsste nicht so oft ins Training gehen“. Wenn die Konterkonzepte verstanden wurden, ist klar, dass jede Technik „zerstört“ werden kann. Beim Training ist es wichtig „Ja, aber..“-Fragen zu stellen, aber erst wenn die Grundtechnik beherrscht wird. Wenn zu früh mit „Ja, aber“ anfangen wird zu arbeiten, dann kann aufgehört werden jede Technik zu trainieren, da es für jede Technik mindestens einen Konter gibt. Also müssen die Techniken erstmal in einer Idealsituation gelernt/verstanden werden, dann kann auch mit Widerstand gearbeitet werden und die Situation verändert werden. So ist es auch im Prüfungsprogramm vorgesehen: Erst werden die Grundtechniken in einer beispielhaften Kooperationskombination demonstriert, dann kommen Gegen- und Weiterführungstechniken hinzu bis hin zum freien Kampf. Dies sollte immer die Progression für alle Techniken sein.