Jiu-Jitsu meets Aikido

Der TSV Glinde hatte am 23. September zu seinen 42.ten Lehrgang eingeladen. Zum wiederholten Male mit Rüdiger Höhne, 5. Dan Aikido, um Ju-Jutsukas einen Einblick in die Welt des Aikidos zu gewähren: Jiu-Jitsu meets Aikido.

Dabei lud Rüdiger die Teilnehmer ein alle gemeinsam und durchmischt miteinander zu trainiert, nicht immer nur die gleichen zwei zusammen. Dies ist ein ganz wesentlicher Bestandteil im Aikido, dass in all den möglichen Kombinationen von Menschen, die so entstehen, zu üben: sich jedes Mal neu zu orientieren, wie ist die Technik, wie kann man da ran gehen, was passiert, wenn der Partner so ist oder anders reagiert – es muss sich anders bewegt werden. Wenn immer nur der Standard geübt wird, wird er an manchen Stellen besser funktionieren als an anderen – wichtig ist das Gefühl zu entwickeln, sich der jeweiligen Situation anzupassen.

Nach einer kurzen Aufwärmphase startete Referent Rüdiger mit Grundübungen wie der Rolle. Um sich ein Bild zu machen, wie im Ju-Jutsu/Jiu-Jitsu gerollt wird, ließ er erst die Teilnehmer aus dieser Kampfkunst rollen bevor die Aikidokas rollten. Dabei fiel ihm auf, dass jeder seinen Bewegungsfluss gestoppt hat und nach der Rolle wieder in die Grundhaltung gegangen ist – im Ju-Jutsu/Jiu-Jitsu machen diese Bewegungszusammenhänge ggf. Sinn. Im Aikido ist die Idee die Körperlichkeit und Bewegungen miteinander zu verbinden, dass es eine Bewegung wird. Rüdigers Tipp dazu: „Macht nicht zwei Bewegungen daraus, sondern lasst die eine Bewegung in die andere übergehen. Wenn man sich den Sachverhalt so betrachtet, sind wir uns gar nicht so verschieden. Wir, im Aikido, haben den Vorteil, dass wir zu Beginn ganz viele Dinge ausblenden, z.B. dass die Hände oben sind“.

Als nächstes folgte die Grundübung Tai Sabaki, die sich durch den ganzen Lehrgang zog. Der Kern: Auf den Gegner zugehen, aber gleichzeitig seinem Angriff auszuweichen. Tai Sabaki ist Grundlage vieler Techniken. Obgleich Aikido die Angriffsenergie des Gegners ausnutzt, ist es dabei oft vorteilhaft, direkt auf den Gegner zuzugehen. In der Nähe liegt häufig der Schlüssel, denn nur dann kann man genau spüren, in welche Richtung der Gegner sich bewegt. Überdies nimmt man ihm damit Spielraum. Er kann seinen Angriff dann schlechter ändern. Diese Grundübung wird in jeder Akido-Stunde vorne weg geübt: Die Energie wird durch einen Schritt nach vorn gebracht, der Impuls zur Drehung geht vom Zentrum aus, dann ein gerader Schritt zurück. Die Körperhaltung ist dabei aufrecht und die Drehung erfolgt über die Körperlängsachse– dann lässt es sich ungleich einfacher drehen.

Im Aikido wird, bildlich gesprochen, eine Lupe verwendet, um einen ganz bestimmten Bewegungsaspekt zu vergrößern/verlängern, wohlwissend, dass es da noch eine zweite Hand gibt oder ähnliches zu beachten gilt. Aber es ist schwierig von vornerein einen komplexen Bewegungsablauf zu zeigen, in dem die Energie aufgenommen, umgelenkt, wieder aufgenommen, die Bewegung des Partners führt wird usw. Deswegen wird dieser Moment künstlich verlängert: Eine geradlinige Bewegung kommt auf einen zu, das ganze wird umgelenkt und weitergeführt, in dem Bewusstsein, das dies eine konstruierte Situation ist, die zum Üben gebraucht wird. Dabei beginnt die eigene Bewegung schon, wenn der Angreifer auf einen zukommt. Es ist viel angenehmer, wenn die Angriffsbewegung aufgenommen wird bevor die Bewegung wirklich stoppt und sie dann umzulenken. Dadurch ist Körperlichkeit im Aikido sehr viel unwesentlicher als in anderen Kampfsportarten. Deswegen gibt es keine Gewichtsklassen, es trainieren von Anfang an Groß und Klein, Dick und Dünn, Mann und Frau, Anfänger und Fortgeschrittene miteinander – beide Partner müssen lernen sich aufeinander einzustellen. Daher kommen die ganzen Grundübungen wie das ewig lange Hinterherlaufen, das ist das was man üblicherweise im Aikido sieht und kennt. Bei dem Bundestrainer im Aikido kann man das sehr gut verfolgen: Er ist bekannt für seine großen, runden, ausladenden, weiten Bewegungen. Wenn man die beherrscht, ist es ein Leichtes diese auf das Kleine einzudampfen - wenn man das Bewusstsein für die Bewegung hat. Aber aus dem Kurz und Knackigen in die weiten ausladenden Bewegungen und das Führen zu kommen, ist sehr schwierig – dafür wird im Aikido das künstliche Verlängern geübt. Ziel der Übung ist das Gefühl zu entwickeln, die Bewegung des Partners zu führen – „Ich glaube, dass ist der größte Unterschied zwischen unseren beiden Künsten im Angang – nicht in dem wo wir hin wollen, da wollen wir genau das gleiche. Wir, im Aikido, müssen am Ende lernen, dass ein oder andere nicht zu vergessen, z.B. Hände hochnehmen zum Schutz. In eurer Kunst hab ich das Gefühl, muss manch einer dann zum Ende sich damit beschäftigen, dass da noch andere Dinge möglich sind. Und wir schauen jetzt, dass wir das ein bisschen auf diesem Lehrgang verknüpfen können.“