Treffen der Großmeister aus Schleswig-Holstein

Zum Ausklang des 50-jährigen Ju-Jutsu Jubiläums veranstaltet der Schleswig-Holsteinische Ju-Jutsu Verband e.V. beim Lübecker Judo Club e.V. einen Lehrgang mit sechs Großmeistern aus Schleswig-Holstein. Knapp 70 Teilnehmende waren angereist, die aus 18 Vereinen stammen, wovon drei sogar aus Mecklenburg-Vorpommern waren. Parallel gaben sich immer zwei Großmeister die Ehre auf zwei Mattenflächen, so dass sich die Teilnehmenden wohl oder übel entscheiden mussten. Dies fiel dem ein oder anderen sicherlich schwer.

Die erste Einheit übernahmen Jörg Preusse, 6. Dan Ju-Jutsu, sowie Vladimir Toth, 6. Dan Ju-Jutsu. Jörg Preusse thematisierte Würfe außerhalb des Prüfungsprogramms, wobei ihm der Einstieg spielerisch mit verschiedenen Griffkämpfen hinein Wurfeingangssituationen gelang. Von bekannten zu unbekannten Techniken führte er die Teilnehmenden zu den etwas anderen Wurfvarianten. Bekannte Würfe waren dabei u.a. Schulterzug oder kleines Inneres Einhängen – Details, die für die Wurfausführung elementar sind, erklärte Jörg sowohl bei bekannten als auch vielleicht unbekannten Würfen sehr genau. Vladimir Toth widmete sich Ellenbogentechniken gegen Angriffe mit und ohne Kontakt, mit und ohne Waffen sowie der Ellenbogenabwehr gegen Waffen mit Folgetechniken. Aus seinem riesigen Repertoire, welches er sich im Laufe von über 40 Jahren Ju-Jutsu aneignete, demonstrierte Vladimir verschiedene Kombination, um Ellbogentechniken prüfungsgemäß anzuwenden. Wichtig sind wie bei allen Technikausführungen die richtige Distanz und der Hüfteinsatz, um sie effektiv auszuführen. Die zweite Einheit gestalteten Stefan Jacobs, 7. Dan Ju-Jutsu, sowie Herbert Bünning, 6. Dan ju-Jutsu. Stefan behandelte das Thema Verknüpfungen „wenn – dann“. Methodisch führte er die Teilnehmenden an Griffvarianten und Ausführungen seiner Spezialtechnik Schulterwurf heran. „Wenn“ war hier die Veränderungen Stück für Stück – „dann“ die Reaktion darauf, beispielsweise durch Veränderung des Drucks von Uke. So sollten die Teilnehmenden auch ein Gespür für Druck und Zug kennenlernen. Nach Stefans Meinung ist es wichtig die eigene Spezialtechnik in vielfältiger Weise ausführen zu können und nicht nur auf eine fixiert zu sein. Dem entsprechend kann mit einer der Varianten immer auf einen Partner reagiert werden, wenn sich dieser anders verhält als gewohnt (weil er z.B. kleiner, größer oder dicker ist). So wurden am Ende der Einheit auch gruppenweise immer wieder die verschiedenen Eingänge und Ausführungen mittels mehrerer Angreifer durchgespielt. Herbert Bünning vermittelte den Teilnehmenden verschieden Festlege- und Aufhebetechniken, die er in diversen Kombinationen unterbrachte. Dabei demonstriert auch gleich, wie die Personen in der festgelegten Position durchsucht werden können und ggf. Handschellen angelegt werden. Da diese meist nicht verfügbar sind, ging Herbert auf Aufhebe- bzw. Transporttechniken ein. Wichtig war ihm, dass Uke klare, kurze Anweisungen gegeben werden, was er/sie machen soll bzw. nicht machen soll sowie dass in der Transporttechnik auch wirklich ein paar Schritte gegangen werden. Die letzte Einheit teilten sich Peter Schneider, 9. Dan Jiu-Jitsu, und Manfred Feuchthofen, 8. Dan Ju-Jutsu. Aus Peters riesigen Fundus holte er verschiedene Möglichkeiten, um die Angriffe Nelsen und Schwitzkasten abzuwehren. Insbesondere achtete er aber auf die korrekte Ausführung der Techniken und zeigt immer wieder, worauf es bei der jeweiligen Technik ankommt. Mit seinem Flensburger Charme begeisterte Peter die Teilnehmenden mit unterschiedlichen Hebeln und Würfen. Nebenbei zeigte Peter, dass überall die Gelegenheit für ein verstecktes Foul ist. Manfred Feuchthofen referierte in der Zeit zu „Wieso, weshalb, warum? Ju-Jutsu ökonomisch, kraftsparend und gesund!“ Nach einer kurzen theoretischen Erläuterung starte er mit gymnastischen Vorübungen, um die Teilnehmenden wieder zu aktivieren. Für viele Techniken ist der Hüfteinsatz entscheidend, damit auch die Kraftübertragung größer ist. Durch Übungen dazu kann sie leicht beweglich bleiben bzw. werden. Wenn die Beinarbeit beherrscht wird, können die Arme dazu genommen werden, z.B. als Fauststoß, so dass langsam der koordinative Anspruch steigt. Manfred thematisierte verstärkt Atemi im Beinbereich. Dabei ging er auf Prinzipien ein, welche Beintechniken gemeinsam haben. „Die muss ich erstmal beherrschen und verstanden haben“, sagte Manfred. Wenn das Prinzip verstanden und beherrscht wird, kann es auch jederzeit anwendet werden. Grundsätzlich gilt aber Technik geht vor Höhe , geht vor Schnelligkeit – „Wenn ich merke, ich komme mit meinem Bein nur dann höher, wenn ich in den Zehenstand gehe, sollte ich mit der Technik wieder tiefer gehen, damit ich mein Gleichgewicht besser halten kann“ so Manfred. Nach diesem besonderen und thematisch umfangreichen Lehrgang freuen sich die Teilnehmenden sicherlich auf die kommenden Trainingseinheiten und Lehrgänge, die für dieses Jahr geplant sind.