Von anderen Lernen - Prüfungsvorbereitungslehrgang

Am Samstag, den 27. Oktober, stand der zweite Prüfungsvorbereitungslehrgang des Jahres an. Nach Kiel kamen über 50 Teilnehmer zu dem Referententeam Jens Dykow, 6. Dan Ju-Jutsu, Prüfungsreferent und Trainer-A Breitensport, sowie John Darboven, 3. Dan Ju-Jutsu, Trainer-A Leistungssport.

Nach dem Erwärmen wurde die Gruppe aufgeteilt: John Darboven unterrichtete Hüftfegen sowie Schenkelwurf, während Jens Dykow den Körperrückstoß vermittelte. Anschließend sollten die Teilnehmer das Erlernte jeweils einem Teilnehmer der anderen Gruppe vermitteln. Das Konzept wurde dann nochmal auf einen jeweils anderen Wurf angewendet, bevor das Prüfungsfach freie Selbstverteidigung thematisiert wurde. Dann wurden die freien Anwendungsformen geübt in den verschiedenen Abstufungen des Prüfungsprogramms. Abschließend konnten noch offene Fragen an Jens Dykow und John Darboven gestellt werden. Jens Dykow richtete noch einige allgemeine Worte zur Prüfungsvorbereitung an die Teilnehmer. „Arbeitet viel mit Videoaufzeichnungen“. Das ermöglicht eine Sicht von außen, denn oft wird gedacht, dass die Hinweise des Trainers bereits umgesetzt sind. Sinnvoll ist auch mehrfach Aufnahmen zu machen, da dazu neigt wird bei Korrekturen zu übersteuern. Gut sichtbar wird auch die Körperhaltung auf der Matte: Wirkt das überzeugend oder wird die ganze Zeit die Kleidung sortiert, weggeguckt oder sonst etwas. Bei der Prüfung darf gern deutlich demonstriert werden, durch Körperhaltung – durch Aufmerksamkeit, die ausgestrahlt wird, dass die Matte beherrscht wird – das will der Prüfer sehen. Des Weiteren macht es Sinn 6-7 Wochen vor der Prüfung, dass das ganze Programm gekonnt wird und ab jetzt an der Feinabstimmung gearbeitet wird. „Ihr solltet in der Lage sein, die Hälfte des Prüfungsprogramms am Stück mit einem Partner zu trainieren. Nicht ständig wechseln, nicht ständig etwas nachschauen, sondern in den Flow reinkommen, der für die Prüfung benötigt wird“, so Jens Dykow. Vom Trainingspensum her, unter Wettkämpfern bekannt, gibt es ganz bestimmte Phasen von Trainingsarten zur Vorbereitung. Krafttraining ist relativ zu Beginn, aus dieser Phase muss aber wieder rausgekommen werden – unter Krafttraining leidet die Feinmotorik! Und Ju-Jutsu ist primär Feinmotorik. Zu viel Kraft nimmt auch das Spüren, was mit dem Partner ist - gerade bei Hebeln, Weiterführungs- und Gegentechniken ist das besonders wichtig. Daher ist es im Training allgemein wichtig Übungen einzubauen, bei denen auf den Input des Partners geachtet wird. Empfehlenswert ist, auch bis kurz vor der Prüfung, sensomotorisches Training. Sensomotorik setzt sich aus zwei Wortteilen zusammen: Senso bedeutet `Sinn´ und bezieht sich auf die Sinneswahrnehmungen. Motorik bedeutet so viel wie `Beweger´ und bezieht sich auf die gesteuerten Bewegungen des Körpers. Durch das Training soll die Koordination der sensorischen Prozesse mit den motorischen Handlungen verbessert werden. Dies sorgt für eine verbesserte inter- und intramuskuläre Koordination und kann Verletzungen vorbeugen. Das sind beispielsweise alle Gleichgewichtsübungen, wie Übungen auf einem Bein oder auch Übungen mit einem Pezziball oder Balancekissen. Für die Prüfung sollte die Ausdauer vorhanden sein, so dass auch die Konzentration erhalten bleibt. In den sechs Wochen vor der Prüfung macht es allerdings wenig Sinn separat zum Training die allgemeine Ausdauer, durch Laufen, Radfahren etc., zu trainieren, stattdessen eher die spezielle Ausdauer anhand des Prüfungsprogramms. John Darboven ergänzte Jens´ Empfehlungen dahingehend, dass sich auch fürs Training Ziele gesetzt werden sollten wie z.B. das Programm in einer bestimmten Zeit zu schaffen. Des Weiteren sollte sich motiviert und belohnt werden. Für alle höhergraduierten gab er noch den Hinweis auch links und andere Angriffe zu trainieren. Dadurch ist für den Prüfer auch erkennbar, dass sich der Prüfling vorbereitet ist. „Seid ein bisschen frech, aber bestimmend. Versteckt euch nicht, ihr habt euch darauf vorbereitet. Demonstriert das einfach den Prüfern – liefert eine gute Show ab“ – sagte John abschließend.